Segler, Mechaniker, Schweißer, Installateur und Elektriker

Die ersten Monate des Refits sind schneller rumgegangen als gedacht und es hat sich einiges getan. Grund genug, dass auch ich euch von meinen ersten Erfahrungen erzähle.
Am Anfang war alles noch recht theoretisch. Abend um Abend, Nacht um Nacht, hab ich mir Gedanken gemacht, wie man so ein Projekt richtig durchziehen kann, was es alles dafür braucht und wie lange man dafür einkalkulieren muss. Habe lange Exel-Listen geschrieben und viel recherchiert und kalkuliert.

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Mittlerweile ist ja ein bisschen Zeit ins Land gegangen und ich konnte die ersten praktischen Erfahrungen sammeln . Zeit für ein kleines Resümee.
Ich bin zwar kein Freund von Verallgemeinerungen und Sprücheklopfen, aber es haben sich tatsächlich schon drei Sachen bewahrheitet, die man überall hört, wenn man sich mit dem Thema Boots-Restaurierung auseinandersetzt.

  • Bootsprojekte dauern mind. doppelt so lange wie man ursprünglich kalkuliert
  • Egal was du für das Projekt budgetierst, rechne immer +20% ein.
  • Überraschungen gibt es an jeder Ecke

 

Zeit

Tatsächlich ist es so, dass sich alles in die Länge zieht. Ich gebe euch dafür gerne ein anschauliches Beispiel:
Ich möchte ein Teil der hölzernen seitlichen Wandverkleidung abnehmen, ca. 1,50m x 30cm. Konservativ gerechnet würde man meinen, dass man das zwischen 30min und 1 Stunde abgeschraubt bekommt.
Tatsächlich saß ich geschlagene 4 Stunden in der Bugkabine bis das Ding draußen war. Der Grund? Total verrostete Schrauben und verkantete Seitenteile.
Natürlich liegt es daran, dass es die Reinke ein Selbstbau ist und der Voreigener nicht damit gerechnet hat, dass das jemals wieder raus kommt, aber das kleine Beispiel zeigt, dass immer genau das passiert, mit dem man nicht rechnet und das es dann eben einfach länger dauert als ursprünglich geplant.
Mit der Zeit kommt auch etwas die Erfahrung und mittlerweile kann ich den zeitlichen Umfang der Projekte schon etwas besser einschätzen, sodass ich dahingehend unseren Master-Zeitplan angepasst habe 🙂

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Budget

Das Thema Geld und Budget ist natürlich ein ganz eigenes und wir möchten euch das im Detail aufzeigen, wenn das Projekt etwas weiter vorgeschritten ist.
Es fällt aber auf, wenn Marine auf einem Produkt steht, es gleich um ein vielfaches teuerer ist, funktionierend geglaubte Gegenstände auf einmal dringend erneuert werden müssen und Baumarktbesuche einen gefühlten Mindestumsatz von 100 € haben.
Diese Faktoren, zusammengenommen mit zusätzlichen Kosten, die vorab nicht absehbar waren, treiben das Budget nach oben.

 

Überraschungen

Überraschungen können wundervoll sein, müssen Sie aber nicht 😉
Neben vielen Kleinigkeiten, die ich hier gar nicht im Detail aufführen möchte, ist das Deck wohl die größte Überraschung für uns bisher gewesen.
Zum Glück waren wir einigermaßen darauf vorbereite, da schon bei er Erstbesichtigung klar war, dass sich unter dem Teak ein paar Löcher verstecken, aber das es dann am Ende doch so viele ware, hat uns dann doch etwas überrascht.
Wichtig ist hierbei nicht die Motivation zu verlieren. Rückschläge gehören einfach dazu. Also Krone richten und weitergehen!

Ich beginne zu lernen, dass man als Bootseigener ein perfekter Segler, Mechaniker, Schweißer, Installateur und Elektriker sein muss, um alle anfallende Arbeiten abzudecken.
Es versteht sich von selbst, dass das nur auf ein paar ausgewählte Menschen zutrifft und besonders ich, als Marketing/Vertriebs-Schreibtisch-Esel das nicht alles erfüllen kann.
Ich habe gelernt, sich eingestehen können, dass es gewisse Felder gibt, bei dem man einfach Profis, aufgrund der eigenen fehlenden Erfahrung, ranlassen muss. Aktuell sind das bei uns primär Schweißarbeiten, Gasinstallation und Motormechanik.
Hier ist es besser eine erfahrene Unterstützung zu haben, solange ich noch nicht genau weiß, was ich da tue bzw. einfach nur Bücher/Internetwissen anwende.
Safty first! Selbstüberschätzung sollte man an dieser Stelle besser ausblenden.

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Zum Glück (Ich klopf 3x mal aufs Holz) liegen wir aktuell noch ganz gut im Plan und unsere Motivation und Lernkurve steigt weiterhin rasant an. Wir lassen uns von kleineren Rückschlägen nicht entmutigen, blicken unserem großen Projekt immer noch sehr positiv entgegen und freuen uns schon, wenn wir Anfang 2020 dann komplett aufs Boot ziehen können.

Cheers

Ruben

Auf dem Weg zur First Mate

Alles startete auf unserem Roadtrip durch die USA im Jahr 2016.
Die langen Autofahrten von Seattle nach Oregon gaben uns viel Zeit um unseren aktuellen Alltag und unsere Träume und Wünsche für die Zukunft zu besprechen…

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Es gab diesen Moment wo ich wusste, dass Ruben und ich den gleichen Wunsch in unseren Köpfen haben – REISEN.

Den Luxus von regelmäßigen Urlauben und Reisen durfte ich schon seit meiner Kindheit genießen. Schon damals ging es regelmäßig mit meinen Eltern in den Ferien und selbstverständlich dann mit den Freundinnen auch alleine on Tour :-). Meistens haben wir die Urlaube in Hotels oder auch Ferienwohnungen verbracht und eine tolle Zeit dort genossen.

Das Reisen ohne Trubel, ohne sämtliche Umwelteinflüsse und aus einer ganz neuen Perspektive, habe ich aber erst durch Ruben kennengelernt.

Das Segeln!

Durch seine große Begeisterung am Segeln hat es natürlich nicht lange auf sich warten lassen, bis ich zu meinem ersten Segel Törn nach Elba angemeldet war. Den Törn startete ich mit zweigeteilten Gefühlen. Einerseits habe ich mich riesig auf diese neue Art des Reisens gefreut, auf der anderen Seite war mir auch etwas mulmig zumute und ich fragte mich, ob denn das reisen mit einem Segelboot das richtige für mich ist.

Nach dieser ersten Segelwoche waren aber alle Bedenken verflogen und ich hätte den Urlaub am liebsten gleich nochmal um eine Woche verlängert 🙂 . Das erste mal Nachts im Schlafsack in einer einsamen Bucht den Sternenhimmel zu betrachten, stundenlang zu guter Musik das Wellenbild auf dem Meer auf sich wirken zu lassen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, all dass wollte ich so schnell wie möglich noch einmal erleben.

Bei meinem ersten Schnupper-Törn war ich höchstwahrscheinlich nicht das hilfreichste Teammitglied an Board, ich nahm aber für mich persönlich einen sehr wichtigen Punkt mit: Erfahrung sammeln ist das wichtigste beim Segeln, um in Stresssituationen ruhig bleiben zu können!

Um diese Erfahrungen zu sammeln und bei nächsten Törn schon etwas tatkräftiger an Board mitwirken zu können, planten wir gleich im Anschluss unseren nächsten Segelurlaub!

xx Steffi

Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch

Wie wahrscheinlich viele von euch, die das hier lesen, verbringen wir viel Zeit damit darüber nachzudenken, wie es wäre einfach mal alles hinter sich zu lassen, sich ein Segelboot zu kaufen und die Weltmeere zu bereisen.

Natürlich leichter gesagt, als getan. Wir haben beide gute Jobs, schöne Wohnungen und Freunde und Familie in unserer Nähe. Da fällt diese Entscheidung all das hinter sich zu lassen doch schwerer als gedacht.

Doch es gibt diesen einen Punkt in deinem Leben, an dem du diesen Traum einfach verwirklichen musst, weil sich sonst so eine Gelegenheit nicht so schnell wieder ergibt.
Frei nach dem Motto: „Du wirst niemals in deinem Leben zurückschauen und sagen: „Mann, hätte ich doch nur mehr Stunden im Büro verbracht“

Wir haben beide mit Anfang zwanzig das Arbeiten angefangen und an den Wochenenden, neben unseren Jobs dual studiert. Wir hatten somit nie das entspannte Studentenleben, was noch vielen vergönnt war, die manchmal Monate oder sogar Jahre im Ausland verbringen durften.
Genau das möchten wir mit dieser Reise nachholen. Neue Länder und Menschen kennenlernen und sich einfach mal treiben lassen. Jetzt mit Ende zwanzig/Anfang dreißig ist das für uns der perfekte Zeitraum, sich ohne große Verpflichtungen, auf so ein Abenteuer einzulassen.

Und was kann es dafür besseres geben, als sich ein Segelboot zu kaufen, herzurichten und einfach loszusegeln?

Ich war schon immer vom Meer, Wasser und Häfen fasziniert. Darum hab ich mich entschlossen den  Sportbootführerschein See (SBF See) 2015 zu machen, um mehr darüber zu lernen, wie man ein Boot sicher führt und was es dort alles zu beachten gibt.

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Ruben im Alter von 11 Jahren auf einem Catarmaran in der Südsee

2016 hab ich dann damit begonnen größere Segeltrips auf dem Meer zu unternehmen und auch das erste mal gemeinsam mit Steffi einen Segeltörn auf und um Elba in Italien zu machen.

Genau das war der Moment bei dem wir beide dem Traum, eines Tages die Weltmeere zu beseglen und eine gewisse Zeit lang an Bord eines Segelschiffes zu leben, verfallen sind.

Es gibt kaum etwas vergleichbares, wie auf einem Boot zu sein und die Freiheit der Natur um dich herum zu spüren und sich nur von Wind und Segeln vorantreiben zu lassen.

Die Möglichkeit mit deinem eigenen schwimmenden Zuhause hinzufahren wohin du möchtest, den Anker zu setzten und traumhafte Buchten sowie neue Länder und Leute kennenzulernen, finden wir mehr als erstrebenswert.

Genau aus diesen Gründen wurde die Idee ein 1-2 jähriges Segel-Sabbatical zu machen für uns immer konkreter und das Bedürfnis danach wuchs stetig.

Um das ganze auch in die Tat umsetzten zu können geben wir uns 3-4 Jahre um auf diesen Trip vorzubereiten. In der Zwischenzeit werden wir hauptsächlich versuchen das Budget für eine Segelyacht, sowie für die laufenden Kosten anzusparen und so viel wie möglich zu segeln.
Der nächste große Schritt für mich wird es sein, die Prüfungen für den nächsten Segelschein (Sportküstenschifferschein) erfolgreich zu bestehen.

Wie Ihr also sehen könnt haben wir ein Ziel und setzten alles daran dieses auch zu erreichen.
Auch wenn es noch viel zu tun gibt, wir noch viele Fragen haben und sehr viel zu lernen gibt, freuen wir uns sehr auf diese einmalige Erfahrung die vor uns liegt.

Wir freuen uns auch unsere Erlebnisse mit euch zu teilen und freuen uns wenn Ihr unseren Weg gemeinsam mit uns erlebt.

Cheers

Ruben

P.S. Wenn ihr aus der Münchner Gegend seid, checkt mal diese Segelschule aus, hier werde ich alle meine Scheine machen: JOJO Wassersport