SEGELN: DIE GRUNDBEGRIFFE

Wer schon mal an Bord eines Segelbootes war oder angefangen hat Segeln zu lernen, hat bestimmt schon mal den ein oder anderen Begriff gehört, der sich nicht so schnell einordnen ließ. Es gibt gewisse Segel Grundbegriffe, die sich über die Jahre entwickelt haben, auf die ich in diesem Artikel genauer eingehen möchte, um euch eine Übersicht zu geben, damit Ihr beim nächsten Mal auf dem Schiff treffsicher mitreden könnt.

Warum gibt es überhaupt spezielle Fachbegriffe beim Segeln?

Fachbegriffe gibt es bei jeder Sportart oder Hobby. Da bilden die Grundbegriffe Segeln keine Ausnahme. Diese sind in der Regel historisch gewachsen und haben Ihren Ursprung meist in anderen Sprachen und wurden im Laufe der Zeit abgewandelt, vereinfacht und verändert.

Besonders beim Segeln spielen diese Begriffe aber eine entscheidende Rolle. Sie helfen nicht nur zielsicher und schnell gewisse Teile an einem Schiff zu beschreiben, sie sind auch dafür gedacht gewisse Manöver für alle verständlich zu beschreiben, damit jeder weiß, was es bei dem gewünschten Segelmanöver zu tun gibt.

Oftmals als Kommandosprache und Befehlston abgetan, helfen sie enorm bei der Kommunikation an Bord. Durch kurze und klare Bezeichnungen können komplexe Sachverhalte schnell erklärt werden und gerade bei stressigen Situationen mit viel Beaufort und Welle oder beim anspruchsvollen Profisport zügig in Handlungen umgesetzt werden.

Von daher ist es umso wichtiger sich diese Grundbegriffe beim Segeln lernen einzuprägen, um den Austausch mit der Crew so klar wie möglich zu gestalten.

Kurse zum Wind

Der Wind ist natürlich die Grundvoraussetzung zum Segeln. Wichtig ist, aus welche Richtung dieser auf dem Wasser kommt und was das für Schiff und dessen Kurs unter Segeln bedeutet. Von daher sollte jeder Segler diese Grundbegriffe kennen:

Im Wind Kurs

Hier kommt der Wind direkt von vorne. Auf diesem Kurs können Segelyachten nicht segeln, da die Segel killen (wild hin und her flattern), da sie dem Wind keine Fläche bieten, um angeströmt zu werden und somit Fahrt für das Boot erzeugen können. Dieser Kurs wird oft genutzt um aufzustoppen (anzuhalten) und die Fahrt aus dem Segelboot herauszunehmen.

Am Wind Kurs

Bezeichnet den Kurs, bei dem das Segelboot (hart) am Wind fährt. Dabei ist die Windrichtung schräg vorne, meist in einem Winkel zwischen 30°-70° (je nach Schiffstyp). Die Segel werden dabei sehr dicht angeholt und stehen stramm, sodass sie keinen Bauch bilden.

Halb Wind Kurs

Beschreibt den Kurs, bei dem die Segelyacht Seitenwind um die 90°hat. Hierbei werden die Segel leicht gefiert (geöffnet) sodass beim z.B. beim Vorsegel ein Bauch entsteht und die Segel optimal angeströmt werden.

Raumschots Kurse

Hier ist die Windrichtung schräg hinten und die Segel werden so weit gefiert (geöffnet), dass sie den Wind optimal einfangen können.

Vor dem Wind Kurs

Bezeichnet den Kurs, bei dem der Wind direkt von hinten kommt. Hier werden die Segel maximal gefiert (geöffnet). Wichtig bei diesem Kurs ist es, dass die Segel sich nicht gegenseitig abschatten. Stehen beide auf einer Seite des Segelschiffes kann es sein, dass das Vorsegel nicht genug Wind bekommt, da alles in das vorgelagerte Großsegel geht.

Am Wind Kurs
Am Wind Kurs

Weitere Begriffe in diesem Zusammenhang:

Jetzt wissen wir schon mal, welche Kurse sich generell mit einem Segelboot fahren lassen. Jetzt kommt es auch noch darauf die Manöver richtig zu benennen. Auch hier gibt es für das Segeln Grundbegriffe.

Luv:

Ist die dem Wind zugewandte Seite. Kleine Eselsbrücke: In das U von Luv bläst der Wind. Die Bezeichnung anluven bedeutet den aktuellen Kurs Richtung Luv anzupassen.

Lee:

Ist die dem Wind abgewandte Seite. Möchte man den aktuellen Kurs Richtung Lee korrigieren, spricht man von abfallen.

Aufschießen:

Nennt man das Manöver, wenn man direkt in die Windrichtung fährt, um Fahrt zu verlieren. Man kann dazu auch “einen Aufschießer fahren” sagen

Wende:

Dient dazu, bei einem Am Wind Kurs, die Windseite zu wechseln. Dabei geht der Bug (vorderer Teil des Schiffes) durch den Wind und die Segel wechseln dabei die Position von Backbord nach Steuerbord oder umgekehrt. Die Kommandos hierbei sind: “Klar zu Wende” -“Klar” | “Ree” – Das Signal, dass sich das Schiff Richtung Luv bewegt und die Wende eingeleitet wird | “Über die Fock”, wenn das Schiff durch den Wind ist und das Vorsegel von der einen auf die andere Seite geholt werden soll.

Halse:

Wie die Wende nur mit achterlicher Windrichtung . Dabei geht das Heck (hinterer Teil des Schiffes) durch den Wind. Die Kommandos hierbei sind: “Klar zur Halse” – “Klar” | “Rund achtern” Als Signal, dass sich das Heck sich Richtung Luv bewegt und die Halse eingeleitet wird | “Über die Fock” um die Seite des Vorsegels zu wenden. Das ganze gibt es auch als Variation mit “Hol‘ dicht die Großschot“ – Fier auf die Großschot!“ bei dem das vorherige Anziehen der Großschot angesagt wird, sowie das spätere Lösen des Großsegels.

Patenthalse:

Sollte bei einer Halse vergessen werden, das Großsegel vor dem Ruderlegen dicht zu holen, schlägt dieses von der einen Seite des Segelbootes ungehindert auf die andere, während das Heck durch den Wind geht. Das hat nicht nur lauten Krach zur Folge, das kann unter Umständen auch dazu führen, dass massive Schäden am Baum, Mast, Rigg und Segel entstehen. Aus diesem Grund ist es auch ein Durchfallkriterium während der Praxis-Prüfung von gängigen Segelscheinen.

Kreuzen:

Das man nicht genau in die Windrichtung fahren kann, wissen wir ja schon. Wenn man aber trotzdem in diese Richtung segeln möchte, muss man in einem Am Wind Zick Zack Kurs fahren. Ein Segelmanöver Klassiker! Das dauert zwar ein bisschen länger als auf dem direkten Weg, bringt einem aber auch zum Ziel.

Reffen:

Erklärt den Vorgang, bei dem die Segelfläche verkleinert wird. Bei viel Beaufort erhöht sich der Druck im Segel. Die Folge ist eine stärkere Krängung (Schräglage) des Bootes und mehr Belastung auf das gesamte Segelsystem. Möchte man nun den Druck oder Schräglage vermindern ist eine Option die Segelfläche zu verkleinern (zu reffen). Das kann entweder durch Reffleinen, die am Segel befestigt sind passieren oder durch das Einrollen des Segels bei einer Rollreffanlage.

Scheinbarer Wind:

Wenn man Fahrt aufnimmt, entsteht dadurch Fahrtwind. Zusammen mit der tatsächlichen Windrichtung entwickelt sich dadurch der scheinbare Wind.

Wahrer Wind:

Das ist die tatsächliche Windrichtung. Hierbei wird der Fahrtwind exkludiert.

Gereffte Genua
Gereffte Genua

Segelboot Grundbegriffe

Die Grundbegriffe Segeln sollten natürlich auch die einzelnen Bestandteile eines Bootes mit einschließen. Das ist nicht nur zum Segeln lernen wichtig, sondern auch später bei der Kommunikation mit der Crew hilfreich.

Steuerbord:

Vom Steuerstand nach vorne schauend rechts. Grüne Beleuchtung in der Nacht.

Backbord:

Vom Steuerstand nach vorne schauend rechts. Rote Beleuchtung in der Nacht.

Achtern:

Nennt man auf einem Segelboot hinten. Den hinteren Teil des Schiffes nennt man Heck. Weiße Beleuchtung bei Nacht.

Bug:

Ist der vordere Teil des Schiffes.

Großsegel:

Das Hauptsegel bei einem Segelboot. Es ist am Mast (horizontal) und Baum (vertikal) befestigt und ist von der Mitte nach hinten gehend.

Vorsegel:

Das Segel am Bug, welches je nach Art, Größe und Form auch Genua oder Fock genannt werden kann.

Besansegel:

Bei Schiffen mit zwei Masten handelt es sich um das hintere Segel.

Lazy Jack:

Ein System zum Lagern und Auffangen des Großsegels ohne Reffanlagen. Dabei ruht das Groß auf dem Baum. Gibt es auch als Lazy Bag mit Tasche statt einem reinen Leinensystem.

Rigg oder stehendes Gut:

Sind in der Regel Drahtseile, die den Baum seitlich, vorne und nach hinten abspannen.

Wanten:

Sind die seitlichen Teile des Riggs.

Stagen:

Vordere und hintere Teile des Riggs. z.B. Vorstag oder Achterstag

Reling:

Auch Seezaun genannt sind (meistens) Drahtseile, die seitlich am Deck vom einem Boot verlaufen und vor dem Herunterfallen schützen.

Winsch:

Eine Art Seilwinde auf denen gewisse Leinen belegt werden zur Übertragung von großen Zugkräften.

Logge:

Zeigt die Geschwindigkeit eines Schiffes durch Wasser in Knoten an.

Lot:

Zeigt die Tiefe unterhalb eines Schiffes mithilfe von Schallwellen.

Klampe:

Ist eine Vorrichtung zur Befestigung von Leinen mit zwei Hörnern. In der Regel gibt es Bugklampen, Mittelklampen und Heckklampen.

Luken:

Sind die Fenster eines Schiffes auf dem Deck, die sich öffnen lassen.

Cockpit oder Pflicht:

Ist der Teil des Schiffes, in dem das Schiff gesteuert wird und sich die Crew und Steuermann während der Fahrt Crew aufhalten.

Pantry:

Bezeichnet die Küche eines Bootes.

Kajüte, Kabine oder Koje:

Ist der Teil im inneren einen Segelschiffs, in dem die Besatzung schlafen kann.

Salon:

Ist das Wohnzimmer einer Segelyacht, meist im inneren in der Mitte des Schiffes.

Meist Bestandteil des Salons. Ein Bereich mit Tisch auf dem mit Seekarten gearbeitet werden kann. Bei den meisten Schiffen ist dort auch das zentrale Schaltpanel für die Elektronik verbaut.

Nasszelle:

Das Badezimmer auf einem Segelboot.

Beiboot, Dinghy, Dingi oder Dinghi:

Ein kleines Boot (aufblasbar oder mit festem Rumpf) dass an Bord eines Segelbootes mitgeführt wird. Zusammen mit dem Außenborder lassen sich kleine Strecken bewältigen. Quasi das Auto fürs Wasser.

Fender:

Dabei handelt es sich um aufblasbare Gummikörper, die an der Seite von Segelbooten an die Reling gehängt werden, um Beschädigung am Schiff zu vermeiden.

Tauwerk, Falle, Leinen und Schoten

Um beim Segeln auch alles immer unter Kontrolle zu haben, gibt es einige Leinen, die dazu bedient werden müssen. Auch hier hat jedes Tauwerk seine eigenen Grundbegriffe damit es nicht zu Verwechselungen kommt.

Taue oder Anlegeleinen:

Sind meist Leinen mit größerem Durchmesser, die zum Festmachen an Land genutzt werden.

Bewegliches Gut:

Bezeichnet alle Leinen, die zum Bedienen der Segel verwendet werden.

Schoten:

Sind die Leinen des beweglichen Gutes wie z.B. Großschot, Genuaschot. Einen genauen Artikel dazu findet ihr hier

Falle:

Heißen die Leinen an Bord, an denen die Segel hoch- und heruntergezogen werden. Je nach Segel: Großfall, Genuafall, Spinnakerfall

Reffleinen:

Die Leinen, mit denen die Segelfläche verkleinert wird (reffen)

Dirk:

Am Ende des Baumes befestigt hält sie den Baum in einer vertikalen Position, auch wenn kein Segel angeschlagen ist.

Bullenstander:

Wir am Ende des Baumes befestigt und außen am Schiff vorne ans Deck geführt um zu verhindern, dass der Baum (wie bei einer Patenthalse) ungewollt die Seite wechselt. Oftmals eingesetzt bei direktem Wind von hinten oder starkem Wellengang, was den Baum zum Schwingen bringt.

Leinen aufschießen:

Ist die gekonnte Technik Leinen so zusammenzulegen, dass sie einfach verstaut werden können, ohne sich zu verheddern und schnell wieder griffbereit sind.

Anlegeleine
Anlegeleine

Anlegen und Hafenbegriffe

Auch beim An- und Ablegen und bei Hafenmanövern gibt es gewissen Grundbegriffe, die einer klaren Kommunikation dienen.

Römisch-katholisch anlegen:

Bedeutet mit dem Heck Richtung Steg anzulegen. Also rückwärts auf den Pier zuzufahren und sich dann mit Anlegeleinen zu vertauen.

Moorings:

Sind Taue, die an einem Ende am Steg befestigt und am anderen Ende mit einem Betonklotz im Hafenbecken verbunden. Beim römisch-katholischen Anlegen werden die Leinen hinten am Schiff vom Steg angenommen und von außen seitlich zum Bug geführt. Dort werden sie stramm gezogen und auf einer Klampe fixiert, um das Segelboot vorne zu stabilisieren.

Aufstoppen:

Auf einem Segelboot gibt es keine Bremse. Um anzuhalten (aufzustoppen) muss also rückwärts gefahren werden, solange bis das Boot stillsteht.

Drehen auf engen Teller:

Ist das geschickte einsetzten von kräftigen Vorwärts und Rückwärts Gasstößen in harter Ruderlage im Wasser, um die Segelyacht auf sehr engen Raum 360° drehen zu können.

Bugstrahlruder:

Ein zusätzliches Ruder, quer zum Bug verbaut, was durch keine Gasstöße erlaubt den Bug seitlich zu versetzten.

Radeffekt

Ist die Versetzung des Hecks aufgrund der Drehbewegung des Propellers im Wasser.

Segelknoten

Segeln lernen heißt knoten lernen. Auch das gehört zu Grundbegriffe segeln. Hier findet ihr die Top 5.

Palstek:

Der absolute Allrounder mit einer Schlinge die sich nicht zuzieht. Perfekt geeignet zum Anlegen oder befestigen von Gegenständen.

Webeleinstek:

Kaum ein Knoten wird mehr gebraucht. Optimal zum Befestigen von Fendern an der Reling

Achterknoten:

Sehr simpel aber auch sehr wichtig. Vor allem am Ende von Leinen, damit diese nicht ausrauschen können

Kreuzknoten:

Schnell zwei Leinen der gleichen Stärke verbinden? Hier kommt der Kreuzknoten ins Spiel

Stopperstek:

Egal ob sich eine Leine verklemmt hat oder du deine Ankerkette am Bug sichern willst. Der Stopperstek hilft dir da raus.

Zusammenfassung

Wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast, sind die Grundbegriffe Segeln fast schon wie eine eigene Sprache. Alles hat seine eigene Bezeichnung, die auch erst mal gelernt werden muss. Mach dir nichts draus, wenn du am Anfang dir noch nicht alles merken kannst. Nach und nach kommt das schon und je mehr Zeit du an Bord eines Segelbootes verbringst, desto schneller stellt sich der Lernerfolg ein.

Ich hoffe, ich konnte dir einen guten ersten Überblick die Grundbegriffe beim Segeln geben und vielleicht war ja noch das ein oder andere neue für die alten Hasen mit dabei.

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