Hühnchenbrust & Erste Hilfe an Bord ?

Hey Leute,

im März diesen Jahres bzw. genau genommen vor zwei Wochen konnte ich endlich mein Geburtstagsgeschenk einlösen, dass ich letztes Jahr von Ruben bekommen habe. Ihr seid gespannt was das genau war und warum ich diesem Geschenk gleich einen ganzen Blogpost widme ;-)? Dann will ich euch nicht länger auf die Folter spannen. Es war der Kurs „Medizin an Bord“ von Seadoc.de der in den Räumlichkeiten der JOJO Wassersportschule in München stattgefunden hat. Ein Erste Hilfe Kurs zum Geburtstag? mag vllt. erstmal etwas „unsexy“ klingen, ich habe mich aber wie ein Schnitzel gefreut und zuerst gegoogelt, was der Kurs denn alles beinhaltet.

Der Kurs fand an einem Wochenende statt also zwei Tage, einmal am Samstag von 10-19 Uhr und am Sonntag von 10-16 Uhr. Klingt auf den ersten Blick lange, aber ich kann euch sagen so schnell ist die Zeit außerhalb der Benko-Refit-Wochenenden schon lang nicht mehr verflogen ;-).

Der Kurs war gut besucht und nach einer kleiner Vorstellungsrunde auch seitens unseres Kursleiters Dr. Fabian Steffen der selbst begeisterter Segler, Intensiv- und Rettungsmediziner und ausgebildeter „Notarzt-See“ ist, freuten wir uns umso mehr auf zwei lehrreiche, spannende Tage.

Ich hoffe ihr versteht, dass eine detaillierte Zusammenfassung der kompletten zwei Tage den Rahmen des Blogpost sprengen würden ;-). Ich möchte mit euch jedoch gerne ein paar meiner Gedanken sowie ein paar Bilder die während des Kurses entstanden sind teilen.

20190330_150140.JPGFoto: Mareike – vielen Dank dafür 🙂

Wenn ich an Alltagssituationen denke ist man doch meistens recht schnell dabei sich einen Rat in der Apotheke um die Ecke zu holen oder gleich einen Arzttermin zu vereinbaren. An Bord ist dies allerdings oft nicht möglich und man ist erstmal für Stunden oder sogar auch Tage auf sich allein gestellt. Eines sollte man doch immer beachten und das war ein Satz den uns Fabian ganz am Anfang des Kurses mit auf den Weg gab: „Ihr sind Laien und keine ausgebildeten Ärzte“. Ziel des Kurses ist es im schlimmsten Fall auch als Laie eine Erstversorgung und die Versorgung bis zum Eintreffen von professioneller Hilfe als durchzuführen zu können.

Ein Fragen-Schema, dass ich wirklich super finde (da man es sich auch recht easy merken kann 🙂 sind die sogenannten Immer-Fragen, die Fabian uns mit auf den Weg gegeben hat und während des Kurses immer und immer wieder wiederholte. Die folgenden vier W-Fragen sind die Basis und sehr wichtig um sich einen ersten Eindruck der Lage von einer kranken bzw. verletzten Person bei Bewusstsein zu schaffen:

  • Was?
  • Wo?
  • Wie?
  • (seit) Wann?

Ergänzend zu diesen Fragen sollten auf jeden Fall auch immer Vorerkrankungen, Allergien und die evtl. Einnahme von Medikamenten abgefragt werden.

Dieses vier W-Fragen habe ich mir ganz groß vorne in meinen Notizblock notiert, weil dies die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen ist die man in einer solchen Situation treffen muss.

Nun aber zurück zum weiteren Ablauf des Kurses. Der Kurs war wirklich super aufgebaut und es gab keine zu langen Theorie-Phasen sondern wir durften auch richtig viel in der Praxis ausprobieren :-). Vom Blutdruck messen über Wundverbände anlegen, Spritzen geben, Infusionen legen…war wirklich alles dabei. Mein persönliches Highlight war das setzen einer Naht bei klaffenden Verletzungen. Hierzu möchte ich aber auch noch einmal betonen, dass es grundsätzlich keine empfohlene Vorgehensweise ist eine Wunde als Laie selbst zu nähen. Das Risiko Bakterien in die Wunde einzuschließen ist viel zu groß. Wundränder die bei einem Sturz etc. entstehen sind in den meisten Fällen nicht glatt sondern die Hautränder sind ungerade und daher ist hier aller größte Achtung geboten. Fabian wollte uns mit dieser Praxisübung vor allem zeigen wie schwierig es ist eine sterile Umgebung zu schaffen sowie das OP-Besteck richtig zu führen um eine Wunde als Laie zu schließen. Ich möchte euch doch an unserem kleinen Versuch teilhaben lassen und habe deshalb ein paar Fotos von unserem verletzten Hühnchen beigefügt ;-):

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Hier seht ihr das sterile OP-Besteck. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie schwierig es ist hier erst einmal alles zu deponieren ohne irgendetwas zu berühren. Stellt euch das mal auf einem Segelboot bei Wellengang vor?
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Ruben bei der Hühnchen OP-Vorbereitung 😉
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Hoch konzentriert – der erste Stich 😉

 

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Sieht doch ganz okay aus ;-)?
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Hühnchen „gerettet“ (fast) ;-). Wir überlegen uns das dann nochmal mit dem Nähen auf der Benko ;-).

Am Abend gingen wir mit einer Menge an neuem Wissen nach Hause und gönnten uns erstmal ein leckeres Abendessen bei dem nochmal das ein oder andere Thema diskutiert wurde :-).

Ausgeschlafen starteten wir in den zweiten Kurstag. Da der zweite Tag nicht mehr so viele zeitaufwändige Praxisübungen beinhaltete konnten wir mit Fabian auch nochmal ein paar über Nacht entstandene Fragen zum Vortag klären und er erzählte uns auch die ein oder andere super interessante Anekdoten aus seinem Arzt-Alltag 😉 und seinem Aufenthalt in Afrika. Damit ihr aber einen kurzen Überblick bekommt welche Themen der zweite Tag beinhaltete habe ich diese hier noch einmal aufgeführt:

  • Leitsymptom Bauchschmerzen
  • Vorbereitung auf Reisen, Impfen, Infektionen
  • Tierbisse
  • Kommunikation und Bergung
  • lebensbedrohliche Situationen

Wie ihr also sehen könnt haben wir nochmal eine Reihe an interessanter Themen am zweiten Tag durchgenommen und den ein oder anderen AHA-Moment erlebt :-). Ich persönlich finde es wichtig medizinische Grundkenntnisse immer mal wieder aufzufrischen und bin von dem Angebot eines thematisch angepassten Kurs für die Medizin an Bord sehr begeistert. Solltet ihr auch eine längere Reise auf dem Wasser planen oder regelmäßig Charter-Urlaube machen kann ich euch einen solchen Kurs nur empfehlen. Und wie Fabian so schön sagte, es geht nicht darum aus euch in zwei Tagen medizinische Profis zu machen, sonder darum, dass ihr wisst was ihr in Notsituationen an Ersthilfe leisten könnt oder wo ihr in solchen Situationen nachlesen könnt.

Passen zum Kurs gab es die Medizintafeln „Erste Hilfe an Bord“. Die Medizintafeln werden auf jeden Fall zusammen mit einem strukturierten Ordner mit wichtigen Unterlagen einen Platz auf der Benko bekommen. Ruben und ich hoffen aber natürlich, dass wir das rote Buch fast nie auspacken müssen :-). Unter anderem enthalten die Medizintafeln eine eine Medikamenten-Tabelle in der die wichtigsten Medikamente aufgeführt sind die man bspw. für Törns unter/über 24h oder Langfahrten an Bord haben sollte. Diese Tabelle finde ich wirklich super hilfreich und kann ich nur empfehlen.

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Schön, dass du auf unserem Blog vorbeigeschaut hast. Wir freuen uns auch immer sehr,  vor allem bei so wichtigen Themen, wenn du deine Erfahrungen und Meinungen zum Thema Erste Hilfe Kurse und im speziellen Erste Hilfe an Bord mit uns teilst.

Alles Liebe eure

Steffi xxx

2 Kommentare zu „Hühnchenbrust & Erste Hilfe an Bord ?

  1. Hallo Steffi und Ruben,
    Ich hab euer letztes Video gesehen vom 3.8.19 wo der Kasten für Radar, AIS und so weiter montiert wurde.
    Da hab ich mich an etwas erinnert was ich gerne teilen möchte mit euch.
    Mein dad hat letztens auch ein boot gekauft, eine catalina 34. Dieses Boot hat eine Autopilot direkt am Steuerrad montiert (also nicht unterdecks).
    Wir haben uns gewundert dass das Kompass eine andere Kurs anzeigt als AIS/GPS. Da ist uns aufgefallen das der Moter vom Autopilot das analoge Kompass beeinträchtig hat.
    Da ihr grade dabei seid alles zu installieren dachte ich das die Info vielleicht behilflich sein könnte. Vielleicht für das Kompass, vielleicht für was anderes wo ihr nicht direkt dran gedacht hattet.
    Sonst weiterhin viel Spaß.
    Wird schön bei euch👌👍
    Sailing regards

    Liken

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